Krawalle : Verletzte nach Brandanschlag in Marseille

Randalierende Jugendliche haben in der südfranzösischen Stadt Marseille einen Bus in Brand gesteckt und eine Frau schwer verletzt. Die 26-Jährige erlitt Verbrennungen zweiten und dritten Grades an Armen, Beinen und im Gesicht.

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tages-anzeiger.ch/dyn/news/a … 81788.html

Das ist wirklich ziemlich übel und traurig, wenn bei derartigen Aktionen unschuldige Menschen verletzt werden. Mir geben die Geschehnisse allerdings auch Anlass zu fragen, was sich denn seit dem letzten Herbst an der Situation in den Banlieues wirklich geändert hat. Die Berichte, die man hier in Deutschland erhält, laufen darauf hinaus, dass den großen Versprechen der Politiker keine entsprechenden Taten gefolgt sind. Vielleicht auch weil Sarkozy mit seiner Kärcher-Mentalität bei den Präsidentschaftswahlen im nächsten Mai kräftig punkten will.

Ciao
Cristobal

Ja, du hast Recht . Sarkozy wiederholt die Ideen von Jean-Marie Le Pen, der der Präsident des Front National ist. Diese Politiker eckeln mich an. :frowning: :gun:
Diese Geschehnisse zeigen nämlich, dass die Regierung keine Lösung für die Probleme in den Banlieues gefunden haben, sie haben die Jugend noch nicht verstanden. Ob sie faul bleiben, werden in die Zukunft noch Wagen oder Busse brennen, und die Lage wird schlechter werden.

Ich denke, dass es einen anderen Problem gibt: in den siebzigen Jahren gab es viele Arbeit, während die erwerbstätige Bevölkerung wenig zahlreich war; also sind Leute, die von dem Maghreb ausstammten im Frankreich ausgewandert. Nun gibt es nicht genug Arbeit für alle, also wollen die Politiker eine Mittel finden, um die Einwanderung zu beschränken. Die Folge dafür ist die Krawalle.

Da sehe ich überhaupt keinen Zusammenhang zwischen der Einwanderung und den Krawallen. Die Jugendlichen, die in den Krawallen verwickelt sind, sind keine Einwanderer, sondern ihre Eltern oder Grosseltern sind lange her eingewandert. Diese Jugendlichen treffen überhaupt kein Problem der Einwanderung, sie sind französicher Staatsangehörigkeit und soweit ich weiss, erheben sie auch gar keinen Anspruch im Zusammenhang mit der Einwanderung.

Nun ich denke genau der Fakt, dass es sich um Einwandererkinder handelt, wird dazu benutzt die aktuelle Einwanderungspolitik zu verschärfen. Motto
« Seht her, das kommt davon wenn wir zu viele Einwanderer in unser Land lassen ».

ach, schon klar, aber das ist dann genau das Gegenteil: Krawallen verschärfen die Einwanderungspolitik, aber die Einwanderung verschärft nicht die Krawallen. :wink:

So ist es. Den Politikern kommen diese Krawalle gerade in Zeiten des Wahlkampfes (auch parteiintern) entgegen. Ansonsten sind ihnen diese Jugendlichen ziemlich egal. Wie gesagt, gab es ja letztes Jahr jede Menge Beschwichtigung in die Richtung, dass man den Jugendlichen eine Ausbildung und Jobs gibt, damit sie eine soziale Perspektive bekommen. Die Berichte, die ich heute aber von meiner Warte aus hier in D mit meinen guten Französisch-Kenntnissen :wink: vernehme, klingen eher so, als wäre das alles nur das übliche politische Gerede gewesen.

Cristobal

Ihr habt Recht, ich hatte das Problem nicht gut verstanden.
Ich denke, dass es heute Krawalle gibt, denn es ist schwer für die Jugendlichen, eine Stelle zu finden und es wird schlechter, weil die Regierung ihnen nicht hilft. Anstatt Lösungen zu finden, wollen Sarkozy und Dominique de Villepin die Jugendlichen, die für die Krawalle Schuld sind, ins Gefängnis senden. Da das Verhältnis der Politiker nicht geändert hat, gibt es noch Krawalle.

Ich sehe auch die Ursachen der Krawalle in der mangelnden Zukunftsperspektive für diese jungen Leute.

Aber ich frage mich, welche Arbeitsplätze gibt es denn, die die Regierung schaffen könnte? Strassenfegen, Grünflächenpflege, Sozialarbeit?

Alle Arbeitsplätze in der Industrie für einfach qualifizierte Leute gehen doch in Billiglohnländer.

Aber diese Jugendlichen sind nicht unbedingt ohne Qualifikation, Tessi. Einige doch. Aber einige haben gute oder sehr gute Qualifikation. Unter denen, einige arbeiten auch ganz OK, anderen fällt es sehr schwer, eine Stelle zu finden, wegen des ausländischen Namen, der Hautfarbe oder sonst noch was.

Was die Regierung dafür tun könnte (und wollte) ist zum Beispiel, den anonymen Lebenslauf einzuführen. Das bedeutet, das eine Person in der Firma (nur in grossen Firmen lohnt es sich, wie ich verstehe) damit beauftragt wird, alle bekommene Lebensläufe zu « filtrieren », indem sie den Namen maskiert, aber auch solche Informationen wie die Adresse, den Alter, das Geschlecht usw. Dann wird der Lebenslauf dem Verantwortlichen übergeben. Da gibt es mehr chancen, dass zB Äusländer oder auch Behinderte zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Die Regierung wollte zwar diese Massnahme anwenden, abe rich habe irgendwo gelesen, sie wolle es jetzt nicht mehr tun.

Doch Unternemen sind frei, sie selbstwillig anzuwenden, und einige tun es auch schon.

Es bestünde schon mal der Bedarf, die Banlieues an sich auf Vordermann zu bringen. Da stecken genug Jobs drin. Und vielleicht schlagen die Jugendlichen auch nicht mehr alles in Stücke, wenn sie die Möglichkeit haben, ihr Umfeld selbst zu gestalten.

Das ist schon krass, wenn den Herkunft so entscheidend ist. Man sollte meinen, dem Kapitalismus geht es schlichtweg nur ums reine Geldverdienen und damit um die Qualifikation der Bewerber. Ich denke ein spezifisches franz. Problem ist diese totale Ghettoisierung. Das wurde hier in D find ich nicht so konsequent betrieben mit reinen Immigrantenvierteln, die man der Verwahllosung preisgab. Hier in München zumindest nicht: Zwar gibt es da natürlich auch Viertel, die vorwiegend von Ausländern bewohnt werden, aber nicht nur…

Interessant finde ich zum Thema die folgende Meldung aus dem Nachrichtenticker:
http://de.news.yahoo.com/02112006/12/armutsforscher-befuerchtet-ausschreitungen-paris.html

Es gibt ja auch Versuche, die « Viertel » aufzuspalten. Es sind Massnahmen, wie die Obligation an alle Städte, Sozialwohnungen zu bauen und zu betreiben (dh, auch in den schönsten und schicksten Umgebungen) oder der Umbau von Viertel: so ein Umbau gibt es jetzt in einem unserer Viertel bei Lyon: die riesigen Wohntürmer und « Kasten » werden abgebrochen, dann kleiner neugebaut (damit sie mehr als « normale Wohnungen » aussehen) und werden nicht wie zuvor als Solzialwohnungen gemietet, sondern nur teilweise Solzialwohnungen, teilweise klassische Miete und teilweise werden verkauft. Das sind schon anstrengungen zur « mixité sociale », aber reicht natürlich nicht aus.