Eva Joly möchte die Militärparade abschaffen

Frankreichs grüne Präsidentschaftskandidatin Eva Joly hat neulich auf der politischen Bühne für Aufsehen gesorgt, indem sie vorgeschlagen hat, die traditionelle Militärparade am Nationalfeiertag (14.07) durch einen zivilen Umzug zu ersetzen (Bürger und Bürgerinnen jung und alt, Schulkinder, Rentner…usw.)
Was hatte die Dame da nicht gesagt ?
Ein Nationalfeiertag ohne Uniformen, ohne Militärmusik, ohne Panzer und ohne Jets im Himmel , die blau-weiß-roten Qualm spucken. Unerhört !!!
« Die Dame verwechsle unsren Nationalfeiertag mit dem ersten April » hat der UMP-Abgeordnete Lionel Lucas mit Empörung gerufen.
Aus links, rechts und Zentrum sind die meisten Politiker über die Dame vehement hergefallen.
Am schlimmsten war dabei Premierminister Fillion, der vor laufenden Kameras erklärte, " die Dame verkenne dabei die Grundsätze und die heiligsten Tugenden der französischen Nation ', da sie bekanntlich nicht in Frankreich geboren ist, sondern in Norwegen!!!
Eva ist heute 68, war mit einem heute verstorbenen französischen Arzt verheiratet und lebt seit 50 Jahren hierzulande. Dem Herrn Premierminister ist die Dame wahrscheinlich nicht französisch genug.
Linke Kandidaten haben , Gott sei Dank, gegen Fillions Äußerungen protestiert.
Aber der Präsident braucht die Stimmen der ausländerfeindlichen Front National, die, die doppelte Staatsangehörigkeit gerne abschaffen möchte!

http://www.stern.de/news2/aktuell/franzoesische-gruenenpolitikerin-fordert-abschaffung-von-militaerparade-1706448.html
Wikipédia über Eva Joly:
Eva Joly – Wikipedia

als präsidentschaftskandidatin finde ich es sehr mutig solche vorschläge zu machen.
die reaktionen verwundern mich (leider) wenig.
ich lebe seit 20 jahren in f,bin also gut « eingelebt ».habe aber neulich auch,bei einem finanziellen problem,zum ersten mal eine solche scheinheilige diskrimination erlebt. :open_mouth:

Eva Joly hat « die heiligste aller heiligen Kühe » Frankreichs verbal « geschlachtet ». Seit den Kapetingern vor über 1000 Jahren war die Vorstellung eines militärisch schwachen und deshalb automatisch bedrohten und sogar zerfallenden Frankreichs das Schlimmste, was einem durch den Kopf gehen konnte. Jede herrschende oder herrschen wollende Elite Frankreichs wird meiner Ansicht nach auch in Zukunft nicht eine Minute bereit sein, über den Vorschlag von Eva Joly oder ähnliche Vorschläge anderer auch nur nachzudenken.
Der Verzicht auf die Militärparade am 14. Juli wäre ein « Sakrileg », oder profaner: sich auf offener Straße nackt ausziehen.

Das ist ja abschreckend, was Jolys Vorschlag gewirkt hat, es sagt aber auch vieles aus über einige Politikern, von denen man schon wusste, dass sie nicht alle Tassen im Schrank haben. Dass einige Politiker sich gerne wie Frau Le Pen äußern, das wissen viele schon.
Zu behaupten, dass Frau Joly die « französische Tugend » nicht kenne (und was heißt eigentlich die französische Tugend? Als wären alle Franzosen damit zufrieden, dass die Armee einzieht…), ist äußerst arrogant. Noch einmal halten sie ihre Meinung für die Meinung der Mehrheit, und das kotzt mich einfach nur an…
Die Dame lebt schon länger in Frankreich, spricht perfekt französisch, reicht das etwa nicht?

Weil ich eigentlich mit ihr ziemlich einverstanden bin. Und bin Französin (Fillon würde ja wahrscheinlich sagen, dass mein Nachname zu wenig französisch ist, um Franrkreich zu verstehen… :unamused: ), trotzdem finde ich so eine Idee ganz modern. Außerdem werfen uns viele Deutschen und andere Ausländer zu recht vor, dass bei uns die Armee noch so eine große Bedeutung hat, heutzutage, wo bei uns endlich Frieden herrscht…

Ich bin ehrlich gesagt sprachlos…

Ich hab die Parade gesehen und dabei habe ich mich mehrmals gefragt, was das eigentlich soll. Wen wollen die einschüchtern, beeindrucken? Beeindruckt war ich. Von dem Flieger, der auf dem Kopf flog und von den Kostümen der Feuerwehrturner, von dem Grimassen die der Präsident schneiden kann und vom Wetter. :stuck_out_tongue:

Ich glaube, die Parade will nur de Franzosen beeindrucken. Ein Sicherheitsgefühl erzeugen und vielleicht auch ein bisschen Nationalstolz…

Die Militärparade ist mir egal, aber sie durch eine Zivilistenparade halte ich für eine schlechte Idee. Das würde seltsam aussehen, und was wäre eigentlich das Ziel ? Also entweder ganz abschaffen, oder so lassen.

Was die Reaktionen über Jolys Herkunft betrifft, wundert mich das nicht. Das war zu erwarten.

Eva Joly hat natürlich an Norwegens Nationalfeiertag in Oslo gedacht…viel friedlicher und sympathischer:

Der norwegische Nationalfreiertag ist alles andere als friedlich für Ausländer. Ich wohnte in Oslo, als die erste Bürgerin pakistanischen Ursprungs (oder war sie Tamil?) in Tracht mitmarschierte. Was ich da gehört habe, geht weit über Le Pens wildeste Träume hinaus.

Ich traure um die Republik. Fillon hat sie erdrosselt und beerdigt. Es ist das erste Mal, dass ein französischer Politiker ausserhalb der Front National den Ursprung als politische Waffe gezielt einsetzt. Denn letztendlich geht es darum, dass der paranoische Nationalismus dieser Herren der Gegenübereinstellung mit den Idealen der französischen Revolution, die der Republik zugrundeliegen, nicht standhalten könnte. Diese Militärparade fand 1915 zum ersten Mal statt, und bezieht sich keinesfalls auf die Aufklärung, die Menschenrechte und die Geburtstunde der Demokratie sondern auf den Imperialismus des Anfangs des 20. Jahrhunderts, inkl. Elsass-Lothringen-Fetischismus und kolonialistenwahnsinn.

Eva Joly hat wesentlich tiefere Kenntnisse der französischen Geschichte als der grosse Rhetoriker Fillon. Wir sind aber alle schon gewarnt worden: Der Wahlkampf werde schmutzig sein. Na, bitte schön…

Also vorab das Geständnis: Ich habe mir Zeit genommen und ich habe mir die Parade angeschaut, in der ganzen Länge, mit allen Berichten. Ich habe das in den vergangenen Jahren getan und ich werde das auch nächsten Jahr wieder tun!

Ich habe mir keine Gedanken darüber gemacht, ob das gut oder schlecht, teuer oder zu teuer, sinnhaft oder sinnlos ist, ich habe gedacht " die Franzosen(f+h) dürfen noch Nationalstolz zeigen, nichts weiter. Wenn in Deutschland Jemand ruft, dass er Deutsch/er ist, bekommt das doch sofort einen einen nicht gewollten Beigeschmack.

:question: Gibt es denn Umfragen, wie die Franzosen über die Parade denken :question:

Auf Kinder des Vaterlandes, ein neuer Tag der Schande it da :frowning:
Kritik an Militärparade in Paris: Grüne Spitzenkandidatin abgewatscht - taz.de
Natürlich hat Madame Eva Joly das Recht über die Militärparade am 14. Juli ihre Meinung zu aussern, und selbverständlich haben die anderen das Recht damit nicht einverstanden zu sein. Normalweise ist Frankreich ein Land wo die Meinungsfreiheit zu den Grundrechte gehört.
Bin ich dabei einen Albtraum zu machen?? Ich hoffe es. Frau "Achtung der Franzosen von ausländischen Herkunft,
, vergib François Fillon denn er weiss nicht, was er sagt!!!
Die Hauptsache ist nicht die Militärparade des Nationalsfeiertages sonder die Würdigkeit Frankreichs. Als Regierungschef sollte er die wichtigsten französichen Werten respektieren, die nicht mit der populistischen Ausseseite einer Parade zu tun haben… :frowning: :frowning: :frowning: :frowning:.

War aber vielleicht auch ein geschicktes Outing von Joly. Wohlwissend dass selbst die Sozialisten an « La France » nichts rankommen lassen. Die Vorwürfe der Rechten kann sie mit Links in ein paar linke Stimmen umwandeln :wink:

Die ganze Geschichte mit den Aufmärschen ist ja im Prinzip dasselbe wie mit den (oft schon doppelten) Doppelauspuffrohren die heutzutage an vielen protzigen Autohintern wie dicke Euter hängen. Man erlaubt sich zu zeigen, was man hat oder gerne hätte :laughing:

Aber heutzutage muss doch die Frage sein, ob Militär noch ein Aushängeschild von Nationalstolz sein darf. Ich könnte das verstehen, wenn wir jetzt in einer Nachkriegssituation in Frankreich wären und Märsche und Panzer endlich einmal eingesetzt werden, um Erlösung und Freude zu zeigen. Aber nicht im 21. Jahrhundert.
Es geht gar nicht darum, dass es schlecht wäre, Nationalstolz zu zeigen, wobei man da wieder diskutieren kann, was das überhaupt ist. Nichts gegen ein Zugehörigkeitsgefühlt, aber man kann nicht stolz auf etwas sein, wofür man nichts kann, und für « geboren werden » kann man nun wirklich nichts. Aber was haben Streitkräfte damit zu tun?
Es ist Zeit, neue Traditionen zu entwickeln. Das gilt nicht nur für Frankreich, sondern eigentlich für den ganzen Erdball. Italien hat gerade mit militärischem Pomp seinen 150. gefeiert und in Deutschland werden diese lächerlichen Großen Zapfenstreiche live im Fernsehen übertragen. :unamused:

Lustig ist, dass Frau Le Pen (mit ihr ist eh alles lustig) meint, Frau Joly, weil sie in Norwegen geboren und aufgewachsen ist, nicht davon wüsste, was für eine enge Beziehung zwischen den Franzosen und dessen Armee liegt.
Ahja, also sie meint ernsthaft, dass die meisten Franzosen sich ihrer Armee nah fühlt?! Dann fangen wir an, mit mir selbst: Ich bin Französin und fühle mich NULL der Armee nah. Im Gegenteil wünschte ich mir, die Armee würde sich aus Afghanistan zurückziehen (vor allem, seit ich einen afghanischen Kommilitone habe, der mir von dem Krieg erzählt hat…) und was die Armee tut, ist mir völlig wurscht, und das, obwohl mein Bruder 2 Jahre in der Armee war.
Niemals habe ich mir genug Zeit dafür genommen, mir die Parade im Fernsehen anzuschauen. Ich fand’s sofort langweilig.

Also bitte, liebe Politiker (es sei Le Pen, Fillon oder die ganze Clique), erzählt bitte nicht von Fakten, die sie als Tatsache erheben. Sie haben überhaupt keine Ahnung.