Es war einmal in unserem französischen Leben

SPON berichtet in seiner Rubrik « einestages » unter dem Titel « Verschwundene Dinge - Es war einmal in unserem Leben » über « herzerwärmende » Sachen, die es nicht mehr gibt, die wir oft eigentlich auch nicht vermissen, die aber doch Nostalgiegefühle wecken, wie zum Beispiel das Testbild.
Eins, zwei, drei im Sauseschritt, eilt die Zeit, wir eilen mit. So schrieb seinerzeit Wilhelm Busch. Auch in Frankreich eilt die Zeit. Am 5. Juli stellt das französische Fernsehen seine analogen Dienste ein, dann kann nur noch digital geguckt werden, und im September ist Schluss mit dem Unikum « minitel ».
Doch auch andere Dinge verschwinden bzw. sind schon lange in Frankreich verschwunden. Vielleicht habt ihr Lust, Beispiele typisch französischer Dinge, die es nicht mehr gibt, aus eurer eigenen Erfahrung zu beschreiben.

einestages.spiegel.de/static/top … leben.html

Bei den gelben Scheinwerfern fällt mir ein: Waren in Frankreich nicht früher die Straßenmarkierungen auch gelb? grübel

Was? :astonished:
Alle deutschen Französischlehrbücher müssen umgeschrieben werden. Der/Die/Das (?) Minitel ist außerdem ein nicht zu unterschätzendes Unterhaltungsmotiv in Literatur und Film gewesen. Alles vorbei. :cry:

Na klar, sie waren gelb. Zu dem gelben Fahrlicht gab es natürlich auch gelbe Rückfahrscheinwerfer und weiße Blinker vorne. Ich hatte gelbe H4-« Birnen » und weiße Blinkergläser für den Urlaub. Den Ruf aus diesen « Handlungen » habe ich bis heute nicht verloren :laughing: .

Moin,

das da oben auf dem Bild ist übrigens ein ultraseltener Citroen M35 mit Wankelmotor. Davon haben sehr, sehr wenige überlebt.

Mir fallen auf Anhieb noch die schönen, alten Kennzeichen ein, die verschwinden. Und die flics, die jetzt nicht mehr Estafette oder Quatrelle fahren, sondern Locus oder Subaru.

Seit Einführung der prime à la casse und der CT wird es auch immer schwieriger, Oma und Opa im hoffnungslos zerballerten R5 zu sehen. All das verschwindet mehr und mehr. Schade drum…

LG,

Oliver

Eine der vergangenen ästhetischen Seiten Frankreichs waren die viele Häuserwände die mit Reklame bemalt waren.

Heutzutage sieht man meist nur noch die verblichenen Reste dieser historischen Form des Marketing und man wird immer wieder mit einem clin d’oeil an die Vergangenheit erinnert.

Das war sozusagen die Urform des modernen Graffities nur, dass es rein dem Kommerz gedient hat

Was hat man eigentlich in Frankreich gesagt zu diesen grafischen Kunstwerken? Wahrscheinlich wurden sie à l’époque eher als Verschandelung der Ortschaften betrachtet.

In D wären diese Werbemittel - in solch einem Umfang bestimmt nicht möglich gewesen, auch wenn es - vor allem in den Städten - bemalte Wände gab.

In D hingegen waren fest installierte Werbeplakatwände aus Städten und Ortschaften nicht wegzudenken. Die meisten dieser sind heute auch verschwunden.

Besonders die lila verblassende Werbung des französischen Aperitiv-Herstellers Dubonnet an Häuserseitenwänden ist mir schon bei meinen ersten Frankreichaufenthalten sofort aufgefallen.

Immer noch vorhanden, besonders in älteren Wohnungen und Häusern, aber schwer auf dem Rückzug ist das heutzutage nicht nur von Ausländern bisweilen zweckentfremdete Bidet. :smiley:

Man kann heute noch eine Dubonnet-Werbung auf einem Gebäude in meiner Heimatstadt sehen, im Viertel Rond-Point. Gerade im Kontekt meiner Heimatstadt, die zu 80% im Krieg zerstört wurde, hat diese Werbung eine besondere Bedeutung, ein Zeuge, die es sonst nicht gibt.

Da ich noch jung bin, gibt es nicht viele Sachen, die mitterweile verschwunden sind. Dazu gehört der Minitel, der damals stolz bei unserer Post lag, obwohl ihn niemand benutztete. Ich war sehr jung, so ungefähr 7 als ich das merkte, und ich berührte die Tasten, obwohl der Minitel aus war, und dachte mir, wozu ist das denn hier?
Er ist natürlich inzwischen verschwunden.

An die Francs erinnere ich mich noch recht gut. Die 100 Fr-Scheine fand ich besonders schön und sahen wirklich aus wie Geld, weniger wie Monopoly-Scheine, womit ich erstmal die Euro-Scheine 2002 verglich.
Dass ich fast jeden Tag für 5 Baguettes 17 Fr bezahlen musste (Großfamilie olé :smiley: ), das weiß ich noch.

Und die kleine Musik von der SNCF bei den Anzeigen, die ungefähr so klang, aaah voller Erinnerungen :slight_smile:

Das habe ich auch noch zu bieten in einem meiner Badezimmer aus den 80zigern. Super genial gegen kalte Füße im Winter :laughing:

Ich erinnere mich noch an unsere alte Plastikmilchkanne -diese hier ist allerdings ohne Deckel.
Mit der mußte ich früher immer losziehen um frische Milch aus dem Laden zu holen.Auf dem Rückweg habe ich die über dem Kopf immer zentrifugiert :smiley: .Das war stets der Test ob der Deckel hält…oft genug kam ich nur noch mit Restposten nach Haus :stuck_out_tongue:

Auch diese alten und liebenswerten Wegweiser (panneaux en beton, plaques de Michelin) sieht man immer noch in vornehmlich ländlichen Gebieten, aber sie verschwinden mehr und mehr, und ich habe auch das Gefühl, es gibt keine richtige Lobby für sie, denn sie sind oft in einem jämmerlichen Zustand. :frowning:

Milchkannen gab es sicherlich in Frankreich auch, denn hier geht es um die Dinge die in Frankreich verschwinden. :wink:

Stimmt Woolito, die alten charmanten Wegweiser verschwinden und auch die Begrenzungsposten aus Beton, auf Bergstraßen mit Holzplanken dazwischen (oder auch nicht). Sie weichen Blechsschildern auf den der Ortsname auch gerne im Dialekt aufgeführt ist und Leitplanken aus Metall.

ups :blush: dabei war die Kanne wirklich super :wink:

Moin,

ich musste gerade an meine erste Frankreichreise als Schüler 1992 denken. Die Tour ging auf einen Schüleraustausch in unsere Partnerstadt Ganges. Damals zog ich noch mit den alten Francs-Noten los. Und weil eine Kollegin einer Ma aus Marseille war und ich damals Münzen sammelte, hatte ich auch noch massig zugestecktes Kleingeld dabei. Irgendwo nachts bei Montélimar haben wir eine Rast eingelegt, und ich wollte mir ein pain au chocolat kaufen. Also legte ich eine 10 Francs-Münze auf den Zahlteller. Daraufhin wurde die Kassiererin hysterisch und fluchte, das einzige dt. Wort « kaputt » schleuderte sie mir auch noch an den Kopf. Weil ich aber erst seit einem Jahr Französisch hatte, habe ich kaum etwas verstanden. Mein Pauker bekam das mit und klärte die Situation. Des Rätsels Lösung: die Münze war ungültig und gehörte wohl einer Charge von Münzen an, die wieder eingezogen wurden. Das wusste ich aber nicht, und auch Tauschversuche bei frz. Banken waren erfolglos. Zum Glück ging alles gut und ohne flics aus. :smiley: Die zweite Tour 1994 machte ich dann aber schon mit den neuen Noten im Gepäck, die wie Spielgeld aussahen. Ich glaube sogar, dass ich noch irgendwo ein bisschen Kleingeld habe…

Zum Thema Wegweiser und Dekos: sie verschwinden immer mehr, aber es gibt auch eine ganz rührige Truppe, die sich dem Gedenken an die berühmte Nationale 7 verschrieben hat. Incl. Museum usw. routenationale7.blogspot.com/

LG,

Oliver

Ich glaube, früher war das kein Thema, aber heute fällt es mir jeden Tag mehr auf: « kaum noch » ein Restaurant, wo nicht eine Tafel mit folgender Überschrift neben der Tür steht:

Origine de nos viandes (bovines)

und darunter handgeschrieben: entrecôte: origine d’Allemagne, côte d’agneau: Royaume-uni etc.

L’Express behauptet, dass 75% allen verkauften Rindfleisches aus Frankreich stammt, viele Restaurants scheinen aber mehr und mehr aus Kostengründen auf preiswerteres Importfleisch zurückzugreifen.
Meine besorgte Frage ist: Wann gibt es demnächst noch zu erschwinglichen Preisen französische Steaks von glücklichen Limousin-Rindern in normalen Restaurants?

lexpress.fr/actualite/enviro … 01994.html

Dann musste in die Camargue reisen zum Essen, da gibt es dann Fleisch von glücklichen Stieren und Kühen. :wink:

ich kam gestern aus paris zurück und mir fehlt dort etwas:
die alten schwarzen nummernschilder an den autos - die mit den schönen silbernen geriffelten buchstaben…
auf dem flohmarkt gab es einen stand, wo man sich schilder mit einem wunschkennzeichen oder namenszug nachmachen lassen konnte - der ist auch nicht mehr da!

Moin,

ich habe noch ein Paar aus dem Elsass. Die waren mal an einer Schlacht-DS und liefen mir eher zufällig zu. Wenn ich hier auf das örtliche Renault-Oldie-Treffen fahre, dann packe ich immer ein paar Meter vor dem Gelände vorne und hinten 4107QF68 aufs Auto.

Man kann sich aber in Frankreich trotz der neuen Kennzeichen immer noch welche in alter Optik machen lassen. Das machen viele Oldtimerbesitzer so. Die fahren dann beispielsweise mit AA111AA herum, die Kennzeichen sind aber schwarz-silber.

LG,

Oliver

Es ist zwar kein Beispiel aus meiner Jugend, aber eine zuverlässige Quelle hat mir verraten, dass dieses Schild in Zukunft auch von Europäisch genormten Strichmännchen ersetzt wird.

Ich habe in diesem Jahr auch noch mal ein schönes altes Schild gefunden, dass es sicherlich so auch nicht mehr lange gibt. Teilweise sind die Schilder dort schon vom moderneren abgelöst worden.