Die Franzosen und die Bestattung

Anlässlich des 1. bzw 2. November wurde eine Umfrage in Frankreich über bevorzugte Bestattungsform der Franzosen durchgeführt. (Beerdigung vs Einäscherung)

52% wollen eine Beerdigung für sich selbst, aber 53% für einen Angehörigen. Aber die Einäscherung wird immer mehr gewählt. (47%, +3 in Vergleich zum letzten Jahr)
Die Religion spielt bei dieser Entscheidung eine große Rolle. 63% der Gläubigen wollen eine Beerdigung für einen Angehörigen und 59% für sich selbst.
Unter den Atheisten ist es umgekehrt : 62% für eine Einäscherung der Angehörigen und 67% für sich selbst.
Insgesamt hängen die Franzosen sehr an einer Zeremonie für ihre Verstorbenen (80% für eine Angehörigen, 74% für sich selbst). Eine religiöse ist deutlich bevorzugt (56% für einen Angehörigen, 49% für sich selbst).

Außerdem finden 84% der Franzosen laut dieser Umfrage eine Bestattung zu teuer. Durchschnittlich kostet sie 3000 euro.

Eine neue Trend setzt sich auch durch : umweltfreundliche Bestattung. 2 mal soviele nachhaltige Särge wurden verkauft als letztes Jahr, und 16% biogisch abbaubare Urne für die Aschen…

Artikel mit Ergebnissen der Umfrage

Wenn ich zwischen einem französischen und einem deutschen Friedhof zu entscheiden hätte, würde ich ich mich in Frankreich auch einäschern lassen anstatt den Rest der Ewigkeit in einer Steinwüste auszuharren. Und am 1. November würde ich in Deutschland noch ein paar nette Teelichter aufs Grab gesetzt bekommen. :smiling_imp:

Interessant, ich hätte gedacht, die Franzosen bevorzugen die Einäscherung, aber viel tut sich da ja nicht.

In der Nähe meines Geburtsortes, gibt es einen Friedhof, da kann man sich einen Baum kaufen und darunter die Urne(n der Familie) beisetzen lassen.

Woolito, wenn ich deine Bilder angucke, würde ich auch den unteren bevorzugen. g Aber es gibt auch sehr schöne franz. Friedhöfe, wenn man in dem Zusammenhang von schön sprechen kann. :confused:

boof,die meisten friedhöfe in f sind reichlich hässlich… :confused:
wobei ich denke,wenn man tot ist ist das einem egeal was mit seinen "sterblichen"überresten geschiedt.
es ist nur schwieriger für die « gebliebenen »,deutsche friedhöfe sind schöner und einladener,sich an einem grab(urne) den verstorbenen zu gedenken…
ich will verbrannt und in meer geschmissen werden… :stuck_out_tongue: :laughing:

Die Frage ist nur, warum das so ist. Französische Bekannte von mir schwärmen von den parkähnlichen deutschen Friedhöfen, wissen aber nicht, warum ihre Friedhöfe so aseptisch kahl sind. Immer wieder die Antwort: Ist so, war immer so, keine Ahnung. Vielleicht kann hier jemand eine Antwort darauf geben.

Vielleicht um nicht die Pflege für die Gräber nicht übernehmen zu müssen? Eine Steinplatte mit einer Plastikblume muss nicht gegossen, neu bepflanzt und gehegt werden…

Das wäre eine rationelle Erklärung, die aber nicht gerade ein gutes Licht auf das Gedenken der Franzosen an die Verstorbenen werfen würde, nach dem Motto: Nur kein Pflegestress. Andererseits ist Allerheiligen den Franzosen ähnlich wichtig wie den katholischen Deutschen, wenn man die Unmengen von Chrysanthemen sieht, die am 1.11. vor französischen Blumengeschäften stehen und die anscheinend reißenden Absatz finden.
Ich denke, es gibt einen anderen Grund für die Kargheit französischer Friedhöfe. Leider nichts im Internet gefunden.

Mhh… vielleicht werden dann einfach nur klare Linien bevorzugt.

Ich wollte auch gar nicht unterstellen, dass die Angehörigen die Gräber nicht pflegen wollen, aber praktisch ist es bestimmt.

Hier in Deutschland gibt es die " Fried-Wald Projekte, die langsam wie Pilze aus dem Boden schießen.
Letzte Ruhestätte an den Wurzeln der Bäume.
-So wie es Souris kurz beschrieben hat-.Man geht mit dem Förster in den Fried-Wald, erfährt dort mehr über Naturbestattungen.Nach der Baumwahl darf man dann bezahlen. :wink:

Ich kenne zwei Menschen, deren Asche mit dem Mistral über die Camargue weht.

Ich finde aber die Angehörigen brauchen Platz zum Trauern, sonst kann man es nicht akzeptieren lernen.

Digitale Nachlassverwalter
welt.de/wirtschaft/webwelt/a … ernet.html
Habe ich gestern im Radio das erste Mal von gehört.
Wußte garnicht, dass man sich auch online beisetzen lassen kann.

@ woolito
ich habe hier einen Link gefunden:
spiegel.de/spiegel/print/d-28956272.html
Vielleicht doch eine kulturelle Sache mit den « Gottesackern » in Frankreich?

Auszug:
…Heyer in Frankfurt ist überzeugt, daß die deutschen Friedhöfe spätestens in einem Jahrzehnt den Gottesäckern in Italien und Frankreich gleichen würden, wenn man den Hinterbliebenen ihren Willen ließe: « Sie würden ein Panoptikum daraus machen mit Blechkruzifixen, Perlschnüren, naturgetreuen Emaillebildern der Verstorbenen, Photos unter Glas mit Federkränzen, Wachsblumen und Porzellan-Engeln. »

@woolito : ich finde, dass du übertreibst. Wie Souris es gesagt hat, gibt es auch schöne Friedhöfe in Frankreich. Interessant ist der Friedhof Père-Lachaise in Paris : der alte Teil ist mehr oder weniger parkähnlich gestaltet, krumme Wege unter Bäumen usw. Aber der neuere Teil ist viel weniger angenehm, wie du es beschrieben hast…
Jedoch gehe ich gern in Friedhöfen spazieren. Die Gräber selber finde ich interessant. Manche sind echte Kunstwerke. Und da muss ich sagen, dass die Franzosen viel einfallsreicher sind als die Österreicher. (die deutschen Friedhöfen kenne ich zu wenig)

Eine Erklärung ist wahrscheinlich einfach der Platz. Wenn man viele Gräber in einer kleinen Fläche legen will, dann dicht nebeneinander. (Sonst ergibt sich der Zentralfriedhof von Wien, der so groß ist wie der 5. Bezirk von Paris :confused: )
Vor ein paar Jahren war ich in einem kleinen evangelischen Dorf in Deutschland mit meiner Familie. Eines Tage haben wir den Friedhof besucht und uns ist aufgefallen, dass es nur neue Gräber war (keine aus den 70er und davor). Wir haben unsere Mieterin gefragt, und sie hat erklärt, dass ca alle 30 Jahre die Gräber und Resten entfernt werden, um Platz zu schaffen…
Also wenn man sich entscheiden muss zw Platz und Zeit, um seiner Angehörigen zu gedenken, dann nehme ich die Zeit. :wink:

Na und? Was ist denn daran schlimm?

Schlimm finde ich Urnenwände, hier auf dem Friedhof gibt es auch welche, da kann man noch nicht mal Blumen hin stellen.

Das ist so nur zum Teil richtig. Bevor die Gräber entfernt werden, werden sie « aufgerufen ». Die Angehörigen sollen sich melden ob sie die Gräber weiterhin haben wollen oder nicht.

Ich war auch immer gerne auf französischen Friedhöfen, es war immer so eine Ruhe dort.

Es gibt einige schöne Friedhöfe in Frankreich wie der von dir genannte Friedhof Père-Lachaise in Paris und auch noch andere. Dies sind aber Ausnahmen. Und Platzgründe mögen in großen Städten wie Paris, das schon vor 1000 Jahren mit engstem Raum zurechtkommen musste, auch eine Rolle gespielt haben und spielen. Aber der typische französische Friedhof findet sich auch in gleicher Weise, mit einer Mauer umgeben, in Dörfern, die bis zum Horizont von Feldern umgeben sind, wo man wahrlich nicht von Platzmangel reden kann.

Aber die Felder gehör[t]en irgendjemandem, auch wenn sie heute nicht mehr landwirtschaftlich benutzt ist. Hat es einen Sinn, den Friedhof 10 km weit von der Stadt zu legen, nur weil es dort mehr freien Platz gibt ?

An dieser Stelle möchte ich aus dem Buch Wie Gott in Deutschland von Daniel Goeudevert zitieren, der sich eingehend Gedanken über die deutschen und französischen Friedhöfe gemacht hat. Er schreibt, dass sollte es mal passieren, dass er im Flugzeug einschläft und nicht mehr weiß wo er ist, er nur kurz aus dem Fenster gucken und nach einem Friedhof suchen muss. Findet er keinen, ist er in Deutschland :smiley:

Das Kapitel geht noch weiter, er schließt unter anderem von der Gestalt der Friedhöfe auf den deutschen Hang zur Melancholie. Ein sehr interessantes Buch, das ich drüben auf AOX bestimmt schon zehnmal empfohlen habe.

Man braucht nur die jeweils schönsten Friedhöfe in Deutschland und Frankreich zu vergleichen um den Unterschied wie er ihn beschreibt zu merken. Ich denke da an den größten Parkfriedhof der Welt, den in Hamburg Ohlsdorf. Da fahren die Leute hin nur um am Wochenende spazieren zu gehen. Es ist schön da, ein würdiger Ort. Auf französischer Seite denke ich an den Friedhof in Menton, der oberhalb der Stadt liegt. Man hat einen unfassbar schönen Ausblick, aber es bleibt eben eine Wüste aus Stein und Marmor. Die Figuren sind etwas zahlreicher als in Deutschland, aber es lebt wirklich nichts mehr. Kein Baum, kein Strauch gesellt sich zu den Toten. Zudem ist es eng und es gibt für die Lebenden keine Möglichkeit zum Rasten und Gedenken, keine Bänke und keine Abgeschiedenheit. Schade.

Den allerschlimmsten Friedhof habe ich aber in Italien gesehen, kurz hinter der französischen Grenze im Hinterland der Küste. Da führt die Autobahn hoch über ein Dorf hinweg, und was von dem Dorf sah war ein Friedhof mit Urnenwänden hoch wie ein Einfamilienhaus. Wie furchtbar! Ich stelle mir vor, wie die Angehörigen zum Trauern kommen und beim Verweilen des Blickes auf das Grab einen Nackenstarre bekommen. :open_mouth:

Danke, Avonlea, für den Buchtipp. Kannte Daniel Goeudevert bisher nur als ehemaligen VW-Manager. Die von dir zitierte Passage erscheint mir eine gute Erklärung für die unterschiedlichen Friedhöfe in beiden Ländern und darüber hinaus.

So einen gibt es auch in Palma de Mallorca. Beim ersten Vorbeifahren dachte ich noch, dass die aber dicht am Friedhof wohnen. Beim zweiten Vorbeifahren hab ich dann erkannt, dass es Urnenwände waren.
Leider wird hierzulande auch damit angefangen. :unamused:
Wir haben hier auch einen sehr schönen Friedhof, immer wenn wir dort hin fahren, gehen wir auch garantiert noch darüber spazieren, aber die Urnenwände passen überhaupt nicht hin.

Ich liebe südenglische Friedhöfe, wo Rasen zwischen den Gräbern wächst und Kinder unbeschwert(Ball) spielen dürfen. :smiley: